Zurück

Der Honigdieb

© by Inga Rothe 03 

  Weinend saß die kleine Biene vor dem Eingang eines Bienenstockes.
"He, was ist los?" fragte die Schwalbe Lilly "dich kann man über das ganze Tal hören und das an einem so schönen Tag!"
Die kleine Biene weinte nun noch lauter und erbärmlicher als vorher, bekam kein Wort heraus. Langsam versammelten sich viele Tier und keiner wußte so recht was los war.


  
                                                     

         

                                         



"Was wollt ihr denn alle hier?" fragte die Bienenoberin Charlotte.
"Wir bedauern die kleine Biene hier und wissen gar nicht was los ist" riefen fast alle im Chor.
"Das kann ich euch sagen, diese unnützige, kleine Biene, steht im Verdacht, unseren Honig zu stehlen! Denn soviel kann sie nicht alleine naschen und es fehlt immer mehr Honig!"
"Nein, das glaube ich nicht!" rief Fridolin, der Marienkäfer. "Ich kenne die kleine Sophia nur als ein ganz liebes Bienchen, nett und freundlich zu allen."
"Ha, denkste, das sind die Schlimmsten!" warf böse die Oberin ein.
Keiner von ihnen hatte bemerkt, dass Bienchen Sophia plötzlich verschwunden war.
"Alle mal herhören, ich habe eine Idee!" rief der Schmetterling Raimund von Fuchsauge.
Plötzlich wurde es ganz still und alle Tiere lauschten.
"Wir sollten diesen Bienenstock den ganzen Tag und die ganze Nacht bewachen. Einer muss immer da sein!"
"So ein Quatsch!" fauchte die Oberin, "Ist doch klar, wer das war. Aber es kann nicht schaden, vielleicht wissen wir auch dann, wo das Versteck ist."
Alle waren begeistert, mal etwas für die Gerechtigkeit zu tun. Raimund von Fuchsauge war ein ganz schlauer Schmetterling, das sah man ihm schon an.
Nachdem sie einen Plan entworfen hatten, an dem sich alle Tiere im Wald beteiligten, ging es gleich los.

"Na, bist du nicht die kleine Sophia, der man nachsagt, sie stehle Honig?" quakte Frosch Herbert.
"Ja, aber ich war das nicht!" antwortete die kleine Biene.
Herbert schaute sich die kleine Biene genauer an und stutzte: "Was hast du denn mit deinem Flügel gemacht? Der ist ja weg!"
"Ich bin vorhin blind vor lauter Tränen durch den Wald geflogen und genau in einem Spinnennetz gelandet. Die böse Spinne Tarantula konnte mir noch den Flügel abreissen, dann wurde ich gerettet, weiß aber nicht von wem, denn ich wurde ohnmächtig." erwiderte Bienchen Sophia.
"Du Arme, das muss doch weh tun!" Frosch Herbert sah sie ganz mitleidig an.
"Nicht so sehr wie die Anschuldigung, ich hätte meinem Bienenstamm den Honig gestohlen." schluchzte Sophia.
Müde legte sie sich unter ein großes Blatt und schlief ein und
 
der Frosch fing weiter Fliegen.


Es wurde Nacht. Alle Tiere schliefen, nur derjenige nicht, der Aufsicht hatte.
Max, der Marienkäfer hatte diese Aufgabe übernommen. Er versteckte sich unter dem Moos und wartete. Leider fielen ihm die Augen zu und als alle aufgeregt um den Bienenstock standen und schimpften, wurde er wach. Zornig blickten sie ihn an und meinten: "Sag mal, du wolltest doch aufpassen und nun ist wieder Honig verschwunden!" Max schämte sich sehr, aber nun war es zu spät.
"Hach, das ist doch der beste Beweis, das Bienchen Sophia es war, sie ist erst gar nicht nach Hause gekommen!" rief böse die Oberin Charlotte.
"Jetzt reicht es aber, immer diese Vorurteile!" krächzte der Spatz Willi!
"Ich habe die Arme gestern aus einem Spinnennetz in letzter Minute befreien können, sie war ohnmächtig! Ich setzte sie vorsichtig an einem Teich. Vielleicht lebt sie gar nicht mehr!"
Alle schauten entsetzt Willi an und die Bienenoberin senkte betroffen ihr Haupt.

"Darf ich euch mal unterbrechen?" quakte Frosch Herbert. Er hatte Bienchen Sophia auf seiner langen Zunge durch den Wald getragen und legte sie nun in die Mitte der versammelten Tiere.
Sie war so schwach, bekam nichts mit, schlief einfach weiter.
"Hm, hier kann sie nicht liegen bleiben, wie bekommen wir sie denn nun in den Stock?" fragte die Oberin.
"Kein Problem, das machen wir!" riefen einige Waldameisen. Ruckzuck bildeten sie eine lange Kette und trugen die kleine Biene Sophia in den Stock.

   
Diese Nacht sollte keiner schlafen, alle wollten wach bleiben. Hasen, Rehe, Vögel, Insekten, alle.

Da Frau Eule ein Nachttier war, hatte sie die Aufgabe, zu rufen, wenn sie etwas auffälliges sah.
Kurz bevor die Sonne aufging, rief sie auch schon: "Uhuuuuuuuuuuuuuuu, Uhuuuuuuuuuuuuuuu!" Sofort waren alle aufmerksam geworden und warteten ab, was nun geschieht.
Da! Es näherte sich ein Bär! Beinahe wäre er auf Max, den Maikäfer getreten!
Marienkäfer Fridolin war so aufgeregt, dass er vom Blatt fiel. Der Bär hatte es zum Glück nicht bemerkt.
Der war so gierig nach Honig, dass es ihm gar nicht schnell genug gehen konnte. Er bohrte mit seiner Tatze ein Loch unter dem Stock und leckte den Honig auf.

Bisher war er immer vorsichtig, aber heute konnte er nicht genug bekommen.
Vor lauter Sorgen, dass er keinen Honig mehr überlässt, griffen die Waldameisen an! Sie verteilten ihre körpereigenen Säuren unterhalb des Felles auf die Haut! Das tat höllisch weh und der Bär schrie auf. Nun stürzten sich alle Tiere auf ihn. Die Bienen stachen zu, Die Hornissen und auch die Wespen.
So schnell hat noch keiner einen Bären laufen sehen, auch wenn der noch so klein war!

Keiner hatte gemerkt, dass der kleine Bär immer unterhalb des Stockes Honig gestohlen hatte. Das tat er in vielen Bienenstöcken! Da aber nun alle gewarnt waren und aufpassten, konnte er nicht mehr überall nur ein wenig Honig schlecken und vergass seine Vorsätze vor lauter Gier!
Oh, war das der Bienenoberin peinlich!

Als die Bienenkönigin davon hörte, dass man die kleine Sophia einfach so verdächtigte und die Oberin das alles in die Welt setzte, wurde diese ihres Amtes behoben. Sie mußte fortan der kleinen Biene Sophia dienen, die es ja nun viel schwerer hatte, mit nur einem Flügel.





Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!