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Die kleinen Fehlerteufel

© by Inga Rothe 03


Ruhig geworden war es in der Grundschule. Alle Kinder hatten Schulfrei und die letzten Lehrer verließen ebenfalls das Gebäude.
Nachdem die Putzfrauen mit ihrer Arbeit fertig waren, schloss der Hausmeister die Türen ab.

Somit war ein Schultag zu Ende, aber nicht für die kleinen Fehlerteufel. Die warteten nur darauf, das alle weg waren, um mit ihrem Werk zu beginnen.


Pauli schnappte sich gleich das erste Heft, das im Lehrerzimmer zur Korrektur auf einem Stapel lag...
“Hihi, das war ja ein ganz schlauer Junge, ich finde keine Fehler, na so etwas!” rief er den anderen Fehlerteufeln zu.
“Stimmt, bei mir ist auch nichts!” erwiderte Kalle.

Na dann werden wir denen mal ganz schnell welche machen, grinste Pauli und fing an.
Gegen Abend hatten die Beiden ihre Arbeit beendet und versteckten sich geschwind zwischen den Büchern.

Gegen 8 Uhr betrat Lehrer Müller das Klassenzimmer, schnappte sich den Heftstapel und machte sich daran, die Fehler zu koregieren. Er schüttelte nur noch mit dem Kopf.


“Wie kann das nur sein, der schlaue Carsten hat 50 Fehler? Madline, 65!
Da er in der 3. Stunde in seiner Klasse unterrichten mußte, schaffte er es gerade noch, die Hefte fertig zu bearbeiten.
Als er dann die Klasse betrat, machte er eine sehr bedenkliche Miene.

"Kinder, was ist mit euch los? So ein schlechtes Diktatergebnis habe ich noch nie gesehen!
Carsten, buchstabiere doch einmal das Wort Feuerwehrmann.”
Carsten stand auf, wie es sich gehörte und buchstabierte: “F-e-u-e-r-w-e-h-r-m-a-n-n”
“Richtig, aber warum schreibst du im Diktat, V-ä-u-e-a-r-w-ä-r-m-a-n???”
Entsetzt schaute Carsten die anderen Schüler an, die sich vor Lachen krümmten.
“Madline, wie schreibt man denn, “es brannte im ganzen Haus”?”
Diese war nun ganz durcheinander, denn was sollte diese Frage, sie wußte doch wie das geschrieben wurde, denn sie gehörte zu den besten Schülerinnen.


So ging das nun die ganze Stunde, Fehler, über Fehler und keiner konnte sich erklären, wie so etwas sein konnte.
Da meldete sich Marius: “Herr Müller, ich habe gehört, wenn Kinder nicht genug Gemüse essen, sei das nicht gut, vielleicht kommt es daher, ich mag nämlich keine Gemüse!”
“Kinder dürfen nicht soviel Süßigkeiten essen!” rief Oliver.
“Kinder sollen gegen 10 Uhr ein 2. Frühstück einhalten, weil da der Zuckerwert im Körper sinkt und sie sich dann nicht konzentrieren können, sagt meine Mama. Aber das mache ich doch schon” meinte Madline.
“Stimmt Kinder, eine ausgewogene Ernährung kann auch eine Ursache haben, aber was ich hier sehe, das ist mehr als merkwürdig! Schlimmer als Diktate in der ersten Klasse”.


Nach dem Unterricht trafen sich alle Lehrer im Lehrerzimmer und waren sehr ratlos.

 
Die kleinen Fehlerteufel hatten überall, in jeder Klasse ihre Spuren hinterlassen.
“Das geht nicht mit rechten Dingen zu, irgendetwas stimmt hier nicht!”sagte der Rektor, “ich habe heute morgen Zettel verteilt und selbst darin waren mehr als 30 Fehler!”
Nachdenklich, verließen die Lehrer die Schule.

Kaum war diese wieder abgeschlossen und niemand mehr da, kamen die kleinen Fehlerteufel aus ihrer Ecke hervor.
Wie freuten sie sich über ihre Tat, jubelten vor Stolz!


Heute hatten sie nichts zu tun, denn alle Lehrer hatten die Hefte mit nach Hause genommen.
“Oooch, das ist aber langweilig!” maulte Pauli.
“Dann müssen wir uns eben die Bücher vornehmen!” meinte Kalle.

Am nächsten Morgen trafen sich alle Schüler auf dem Schulhof und diskutierten, was das sein konnte, wie kann jemand soviel Fehler machen?
Sebastian, der Schulsprecher meinte: “Da hilft nur eins, wir müssen büffeln! In acht Wochen sind die Zeugnisse fällig, wir können uns das nicht leisten. Jeder, der besser ist, nimmt sich einen Schwächeren und übt mit ihm!”
So wurde es dann auch gemacht.

Lehrer Müller wunderte sich, das die Leistungen der Klasse immer besser wurden.
Wiederschrieben sie ein Diktat, diesmal ließ Herr Müller die Hefte nicht liegen, sondern nahm sie mit nach Hause.
Er staunte nicht schlecht, denn drei Fehler, mehr gab es nicht.
“Ich bin ganz stolz auf euch, liebe Kinder!” Sogar Benjamin, unser kleines Sorgenkind, hat nur drei Fehler! Da ihr so fleißig ward, lese ich euch heute die Geschichte von der kleinen Hexe vor!”
Er holte sich das Buch aus dem Lehrerzimmer und schlug es auf. Was ist das denn? Er erschrak furchtbar, denn es stand da: “Di klaine Häkse”
Herr Müller musste sich erst einmal hinsetzen, der Schreck war zu groß für so einen geleehrten Mann!
Was sollte er jetzt tun? Alle Schüler schauten ihn an! Der artige Carsten ging zu ihm hin und fragte, ob ihm etwas fehlte.
Herr Müller konnte nicht sprechen, zeigte ihm das Buch! Entsetzt gab Carsten es weiter.

“Habt ihr schon mal etwas von Fehlerteufeln gehört?” fragte Anne plötzlich.
Alle sahen sie erstaunt und fragend an. Nein, davon hatten sie noch nichts gehört.
“Das müssen die aber gewesen sein, denn solche Fehler macht kein Autor und kein Verleger gibt solch ein Buch heraus, indem so viele und dumme Fehler sind!”

Lehrer Müller hatte sich wieder gefasst und stimmte zu.
“Ja, Kinder, das könnte es sein. Für heute machen wir erst einmal Schluß und werden morgen darüber reden.”

Im Lehrerzimmer herrschte Aufregung, was konnte man tun?
Der Rektor befahl, das alle Lehrer fortan die Hefte zu Hause koregieren und die Bücher auch nicht mehr in der Schule liegen bleiben sollten.

Tatsächlich, nachdem die Fehlerteufel bis zu den Ferien nichts mehr zu tun hatten und in den Ferien sowieso vor lauter lange Weile verzweifelten, beschlossen sie, die Schule zu verlassen und vielleicht wo anders ihr Unwesen zu treiben. An dieser Schule waren sie jedenfalls nicht mehr zu sehen.



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