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Naomi zieht in die Stadt

© by Inga Rothe

Naomi begleitete ihren Vater auf einem tagelangen Weg. Er wollte sich in der Stadt Arbeit suchen und da ihre Mutter bei der Geburt ihres Bruders gestorben war, hing sie an ihrem Vater, wie eine Klette.
Ihr kleiner Bruder Silas wurde von ihrer Tante versorgt. Für sie war kein Platz, denn die Tante hatte bereits 15 Kinder und reich war sie auch nicht.
Für ihre 4 Jahre war Naomi ein sehr verständliches Kind, das schon für ihren Vater sorgen musste, so gut sie konnte. Sie hatte sogar schon auf einer Kaffeeplantage mitgeholfen und dafür auch etwas Geld bekommen.
Jetzt wollte der Vater aber in der Stadt arbeiten um dort mehr Geld zu verdienen, damit sie sich bald ein Haus kaufen und den kleinen Silas zu sich holen können.
Onkel Osman wohnte am Rande der Stadt und da konnten sie vorerst wohnen.

Es war ein langer Weg, Naomis Füße waren schon ganz blutig, als sie an der Hütte ihres Onkels ankamen. Schuhe hatte sie keine, denn die waren ziemlich teuer.
Vater meinte, für heute wollten sie erst einmal hier übernachten und am nächsten Morgen ganz früh aufbrechen.
Man wies ihnen einen Schlafplatz am hinteren Ende der Hütte, auf dem Boden zu. Naomi kauerte sich sofort auf einer Decke und schlief erschöpft ein.
In der Frühe weckte sie ihr Vater und nachdem sie etwas Maisbrei gegessen hatten, ging es los.
Bei dem Anblick der vielen Häuser und Menschen, waren die Schmerzen an den Füssen schnell vergessen. Erwartungsvoll und auch ein wenig ängstlich, klammerte sich Naomi an den Arm ihres Vaters. Der meinte, sie solle keine Angst haben, er sei ja da.
Dann kaufte er eine Zeitung und sie setzten sich auf einer Mauer. Naomis Vater konnte lesen, was hier bei den einfachen Leuten sehr selten war. Später wollte sie das auch lernen.
Nach dem sie sich etwas ausgeruht hatten, gingen sie weiter. Plötzlich blieb ihr Vater vor einem Plakat stehen, in dem Arbeiter auf dem Hafengelände gesucht wurden.
Zuversichtlich marschierten sie los, nachdem sie einen Mann nach dem Weg gefragt hatten.
Endlich, nach einer Stunde hatten sie ihn erreicht. Naomi sollte an einer Kaimauer auf ihren Vater warten. Falls er sofort anfangen konnte, gab er ihr ein paar Münzen, damit sie sich etwas zu Essen kaufen konnte. Sie wußte aber, es war das letzte Geld und Hunger hatte sie schon lange nicht mehr.

Wie lange Naomi da so gesessen hatte, konnte sie nicht mehr sagen. Die Sonne ging unter. So einen herrlichen Sonnenuntergang hatte sie noch nie gesehen. Blutrot versank sie im Meer!
Während sie noch darüber nach dachte, ob sie im Meer wohnen würde, stand ihr Vater da und umarmte sie überglücklich. Er hatte die Arbeit bekommen und bei dem Lohn, hätten sie es bald geschafft.
Auf dem Rückweg kamen sie an einem Café vorbei und da der Vater nun täglich sein Geld bekommen sollte, hatte er wieder etwas. Sie setzten sich an einem Tisch und der Vater bestellte Kuchen dazu. Naomi wußte nicht, wann sie zum letzten Mal Kuchen gegessen hatte und war überglücklich. Dann fiel ihr das Geld wieder ein, das ihr Vater ihr heute Morgen gegeben hatte. Sie legte es dem Vater hin und dieser schaute sie entsetzt an. "Hast du denn nichts gegessen?" "Nein, ich hatte keinen Hunger." antwortete sie.
Kopfschüttelnd nahm er das Geld an sich. "Du bist wie deine Mutter, zuerst alle Anderen, dann kam sie dran. Das ist aber gar nicht gut, denn darum war sie bei der Geburt des kleinen Silas auch so schwach." murmelte er und seine Augen füllten sich mit Tränen.
Naomi nahm seine Hand, auch ihr kamen die Erinnerungen an ihrer Mutter.

Von nun an blieb Naomi bei ihrem Onkel Osman und deren Frau, Omti, wenn ihr Vater zur Arbeit ging.
Tante Omti bekam bald ein Baby und bis dahin mussten sie eine eigene Hütte finden und Naomi im Haushalt helfen. Das kannte sie ja schon und sie machte ihre Sache sehr gut.
Eines Abend hörte sie ein seltsames Geräusch, das sich anhörte, wie so kleine Autos auf zwei Räder. Schnell lief sie hinaus. Was war das denn? Ihr Vater hatte so ein Ding mit zwei Rädern gekauft. Ziemlich alt, aber es fuhr, wenn man darauf saß und mit den Füssen auf so zwei Dinger trat. Das ist ein Fahrrad, meinte ihr Vater und sie durfte auch einmal hinten aufsitzen.
Es war herrlich, wie schnell das Ding rollte.
Für dich habe ich auch eine Überraschung, lächelte der Vater und hielt ihr ein Päckchen hin. Freudig nahm Naomi es an und packte es sofort aus.
Sandalen, so schöne hatte sie noch nie gesehen und dazu ein wunderschönes Kleid. Naomi war überglücklich und nahm ihren Vater in den Arm.
Ich habe doch gar kein Geburtstag, meinte sie. Der Vater aber erklärte, es sei heute ein besonders schöner Tag. Er hätte nun einen Arbeitsplatz im Hafenbüro, wo er ab sofort fest angestellt worden sei. Und das besondere daran sei nicht nur, das er viel mehr Geld verdiente, sondern auch, das er eine Wohnung in der Nähe bekommen hatte.
Naomi konnte das Glück kaum fassen. Sie packten sofort ihre Sachen zusammen, um noch heute einzuziehen. Sogar Möbel gab es da schon.
Der Abschied vom Onkel und ihrer Tante fiel nicht leicht, aber sie versprachen, sich bald zu besuchen.
Da sie nicht viel Gepäck hatten, konnten sie es vorne auf der Ablage stellen. Naomi nahm hinten Platz und los ging es.
In der Wohnung angekommen, staunte Naomi, denn noch nie hatte sie eine Badewanne gesehen und dann war da so ein langes Rohr, wenn man da unten drehte, kam oben das Wasser heraus, aus lauter kleinen Löchern.
Der Vater nannte es Dusche. Sie probierte es gleich aus, herrlich.
Sie hatte ein eigenes Zimmer und da stand eine Schlafstelle auf Füssen. Das war ihr aber zu unheimlich, von daher legte sie sich in einer Ecke. Der Vater lachte und meinte, sie solle ruhig im Bett schlafen, das täte er von jetzt an auch.

Als Naomi am nächsten Tag erwachte, war ihr Vater schon fort, sie hatte verschlafen.

Sie machte sich gleich daran, die Wohnung zu säubern.
Danach ging sie wieder an das Rohr, im sich zu waschen. Wie nannte der Vater es noch, ach ja, Dusche. Nun zog sie ihr neues Kleid an und wollte sich mal draußen umsehen.
Auf dem Tisch lag Geld, damit sie etwas zu Essen einkaufen konnte.
Mitten auf der Strasse fiel ihr ein, hier musste man die Tür abschließen. Schnell lief sie zurück, nahm den Schüssel vom Haken und schloss ab und hängte sich den Schlüssel um den Hals.
Neben dem Hafengebäude war ein Markt. Hier kaufte sie Melonen, Fladenbrot und andere Dinge, mit denen sie sich und ihrem Vater ein Essen bereiten konnte.
Endlich hatte sie alles zusammen, war mehrmals weg gewesen, hatte einen Obstsalat vorbereitet, weil sie nicht wußte, wo sie eine Feuerstelle machen konnte um das Essen zu kochen. Nun saß sie am Fenster um auf den Vater zu warten. Sie konnte genau auf das Meer sehen und wieder versank die Sonne darin.
Hm, dachte sie, also wohnt sie da doch. Was wohl eine Sonne in der Nacht macht und was sie wohl essen würde?
Endlich kam ihr Vater, der sehr müde war und nachdem Essen sofort ins Bett legte.

Es war Samstag und Ihr Vater kam früher nach Hause. Heute kaufen wir einen Herd.
"Was ist das denn?" fragte Naomi.
"Das ist so wie eine Feuerstelle, nur stellt man da den Topf drauf. Man sieht kein Feuer, dafür wird die Platte ganz heiß." erklärte der Vater lächelnd.
Sie liefen dann zu einem Gebrauchtwarenladen und Naomi kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Sie wollte alles wissen und der Vater erklärte ihr es ganz genau.
Jetzt wußte sie auch, was ein Kühlschrank ist. So etwas hatten sie noch nie, da in ihrem Dorf ja kein Strom war. Dort standen nur Lehmhütten, mit Strohdächer. Manchmal sehnte sie sich dennoch da hin, oder war es einfach die Sehnsucht nach dem kleinen Silas? Sie schwieg aber, denn sie wollte ihren Vater damit nicht belasten.

Am Nachmittag wurde ihnen die Feuerstelle ohne Feuer gebracht, Vater nannte es ja Herd.
Es kam Naomi so vor, als würde da ein Geist drin sein, denn wenn man einen Knopf bewegt, wurde eine Stelle ganz heiß. Und wenn man nicht aufpasst und den Knopf wieder rumstellt, dann bekommt die Ecke einen roten Fleck, der ganz gefährlich aussieht!
Bald konnte sie aber auch damit umgehen, auch mit dem Kühlschrank, den sie besonders liebte, da dadrin alles so schön kalt war.

Heute hatte Naomi Wäschetag. Nachdem sie alles in der Badewanne gewaschen hatte, trat ihr Vater in dem Raum, sie hatte vor lauter Arbeit nicht an die Uhrzeit gedacht.
"Hallo meine Große, ich gratuliere dir zum Geburtstag.!"
"Geburtstag, heute?" antwortete ganz durcheinander Naomi. Da hatte sie den Tag doch völlig vergessen.
"Ich habe auch ein Geschenk für dich, komm mal ins Wohnzimmer."
Naomi hörte plötzlich viele Stimmen und erschrak, denn es war keiner zu sehen.
Huch, was ist das denn? Da stand ein Kasten, mit lauter Menschen drin.
"Das ist ein Fernseher. Immer, wenn du mal Lust hast, kannst du hier Filme sehen." erklärte wieder der Vater und zeigte ihr, wie der funktionierte.
Etwas unheimlich war der schon, aber sie hatte ja auch gelernt, auf der Schlafstätte, mit den vier Füssen zu schlafen.
"Heute lade ich dich zum Essen ein, denn Geburtstage sollte man feiern." meinte der Vater und es wurde der schönste Geburtstag den sie je erlebt hatte.

Damit sie sich nicht mehr so mit der Wäsche plagen musste, kaufte der Vater eine Wäschesaubermachmaschine, die die Wäsche wäscht.

Diese Maschine stellte ihr ein Mann auf und erklärte, ihr auch, wie sie bedient wurde. Darüber wußte ihr Vater nicht Bescheid.

Naomi war auch nicht dumm und schnell lernte sie damit umzugehen.

Irgendwann sollte es auch ein Ding geben, wo man Nummern wählt und dann kann man mit dem Vater sprechen, oder umgekehrt. Er nannte es Telefon.

So vergingen die nächsten Monate und Naomi lebte sich gut ein. Neben ihrer Hausarbeit, wollte sie nun unbedingt Lesen und Schreiben lernen, aber der Vater meinte, sie solle bald eine Schule besuchen, dafür legte er schon Geld an die Seite.

Naomi hatte alles, was zu ihrer Arbeitserleichterung führte, aber sie war sehr einsam.

Keine Freunde zu haben, ist sehr traurig und wie lange hatte sie ihren kleinen Bruder schon nicht mehr gesehen. Sie wurde immer trauriger und auch stiller.

Der Vater war zwar ein verständnisvoller und Mann, aber leider hatte er vergessen, das seine Tochter erst sechs Jahre alt geworden war. Niemals brachte er ihr etwas zum Spielen mit und machte sich überhaupt keine Sorgen um sie. Dennoch fiel ihm auf, das sie ganz anders war als früher. Doch er schob es einfach auf das Älter werden.

Auch heute stand Naomi wieder an der bekannten Kaimauer, nachdem sie auf dem Markt eingekauft hatte und schaute über das große Meer.

Die Sonne lachte noch hoch am Himmel, keine Wolke war zusehen, nur das tiefe Blau des Meeres und des Himmels.

Plötzlich erschrak sie, denn im Hafen wurde es immer lauter. Polizeisirenen, Schreie, Schüsse!

 

       

Naomi auf See

 

Naomi dachte nur noch an ihrem Vater und lief los, mit den schweren Sachen.

Sie kam bis zur Lagerhalle, da peitschten wieder Schüsse und ganz schnell versteckte sie sich in einer großen Kiste, die noch nicht richtig verschlossen war.

Sie zitterte vor Angst, fühle sich aber sicher in ihrem Versteck. Lange dauerte der Tumult im Hafen und irgendwann schlief Naomi erschöpft ein.

Durch lautes Hämmern wurde sie wach. Was war das, dachte sie. Gab aber keinen Laut von sich. Dann bemerkte sie, das die Kiste, in der sie saß, schwebte, in einem LKW geladen und dann weggebracht wurde. Es kam ihr vor, wie Stunden, als die Kiste endlich abgesetzt wurde und Ruhe einkehrte. Nach einer Weile wollte sie den Deckel öffnen, aber er war verschlossen. Sie war gefangen!

Naomi war unfähig zu weinen, unfähig irgendeinen Gedanken zu fassen. Dieser Zustand hielt lange an. Bis sie plötzlich Hunger verspürte und froh war, einige Lebensmittel dabei zu haben.

Immer wieder überlegte sie, was wohl geschehen sein, was war mit ihrem Vater? Sie konnte es sich nicht erklären, aber die Angst saß ihr im Nacken.

Da fiel ihr ein, das ihr Vater ihr mal erzählt hatte, da gibt es einen sehr alten, weisen Mann, der oben im Himmel sitzt und auf alle Menschen aufpasst. Wie nannte er ihn noch?

Naomi überlegte krampfhaft. Ja, Gott, so nannte er ihn! Er hatte gesagt, immer wenn man Hilfe braucht, soll man zu ihm sprechen. Sie versuchte es:

"Hallo, du Gott da oben. Siehst du mich hier in der Kiste? Dann hilf mir doch mal! Wie komme ich hier heraus? Nun mach schnell, ich kann nicht mehr!"

Es kam keine Antwort. Enttäuscht schlief sie wieder ein.

So vergingen Tage, eine Woche! Naomi hatte nichts mehr zu essen und das wenige Obst, was ihr etwas Feuchtigkeit spendete, war auch aufgebraucht. Sie stellte fest, das sie in einer Kiste mit Kaffeebohnen gefangen war, aber das half ihr auch nicht weiter. Dennoch sprach sie immer wieder mit Gott und hatte nun das Gefühl, er hörte ihr zu.

Täglich wurde sie schwächer, schlief mehr, als das sie wach war.

Waren da nicht Stimmen? Dachte Naomi, als sie erwachte. Egal, was passiert, sie mußte aus dieser Kiste heraus. Sie rief mit ihrer geschwächten Stimme, aber niemand hörte sie. Langsam geriet sie in Panik und klopfte mit dem Bügel ihrer Einkaufstasche gegen der Kistenwand.

Da waren wieder Stimmen. Mit letzter Kraft haute sie wieder gegen die Wand und rief so laut es noch ging.

Endlich wurde diese geöffnet und zwei Männer sahen erstaunt hinein! Sie sprachen eine Sprache, die Naomi nicht verstand.

Der eine von ihnen hob sie aus der Kiste, sie war zu schwach auf ihren eigenen Beinen zu stehen.

Er trug sie in einem kleinen Raum, in dem auch ein Wasserrohr (Dusche) war und machte Andeutungen, das sie sich erst einmal waschen sollte. Jetzt erst fiel ihr auf, wie schmutzig sie war und wie sehr sie roch. Immerhin mußte sie ihre Notdurft auch in der Kiste verrichten, sie kam da ja nicht heraus. In der Dusche sitzend wusch sie sich und trank gleichzeitig das Wasser.

Der Mann mit den gelben Haaren kam zurück, brachte ihr eine Decke und hüllte sie darin ein. Auf dem Tisch stand schon ein Teller, mit Essen bereit. Noch nie hatte Naomi etwas so leckeres gegessen.

Nachdem sie noch verschiedene Süßigkeiten bekommen hatte, schaute sie sich um. Komische Hauslöcher haben die, die sind ja rund. Als sie hinaus sah, erschrak sie, denn sie befand sich mitten auf dem Meer. Sie war auf einem Schiff! Wo ist ihr Vater, was ist passiert? Sie weinte bitterlich.

Da betrat ein anderer Mann den Raum, der ihre Sprache sprach. Sie erzählte ihm, was passiert war und er hörte ihr mitleidig zu.

Sie erfuhr, das es einen Aufstand gegeben hatte, weil einige Arbeiter mehr Geld haben wollten.

Viele Menschen sind dabei umgekommen. Ob ihr Vater noch lebte, wußte keiner.

Das Schokoladenbraune, hübsche Mädchen erregte sehr viel Aufsehen auf dem Schiff. Sogar der Kapitän war gerührt von ihrem Schicksal.

Er versuchte über einen Funkspruch den Hafen zu informieren, ob ihr Vater noch lebte, aber man konnte ihm keine Auskunft geben, da die Unruhen immer noch anhielten. Sie waren nun schon zwei Wochen auf See, umkehren war also unmöglich. Was sollte nun geschehen???

Nachdenklich strich der Kapitän über seinen langen Bart. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als dieses Kind mit nach Deutschland zu nehmen.
Die Fahrt dauerte noch einmal ungefähr zwei Wochen. Naomi hatte es sehr gut auf dem Schiff, sie wurde verwöhnt und hatte alle Freiheiten.
Eines Abends stand sie mit Corry, so hieß der Matrose, der ihre Sprache sprach, auf Deck.
Sie zeigte auf die untergehende Sonne und rief: "Fahrt doch schneller, ich möchte sehen, wo die Sonne wohnt!" Corry lachte und erzählte ihr, das man die Sonne nie erreichen könnte.
es sieht nur so aus, als könne man sie erreichen, aber die Sonne wohnt am Himmel. Die Erde ist eine Kugel, da ist der Mond, die Sterne...
Naomi hörte interessiert zu. Irgendwie war sie doch etwas traurig, denn dann ist die Sonne ja viel weiter weg, als sie dachte.

In den Tagen auf See, lernte Naomi auch etwas deutsch. Der Kapitän staunte nicht schlecht, was sie doch für eine gute Schülerin war.
Sie hatte sich auch sehr schnell erholt, war nicht mehr so schwach und auch ihre Ängste ließen nach. Ganz oft dachte sie an ihrem Vater und ihrem kleinen Bruder. Ob ihr Vater wirklich gestorben ist? Irgendwann wird sie es heraus finden. Sie wollte ganz schnell Lesen und Schreiben lernen, damit sie einen Brief schreiben konnte.
Corry, der Matrose, versprach ihr, nach ihrem Vater zu suchen und immer, wenn er Zeit hatte, lernte er mit Naomi die deutsche Sprache.

Dann war es so weit, die letzte Nacht an Bord! Morgen schon sollten sie in einer großen Stadt ankommen. Corry meinte, sie hieße Hamburg.
Corry erklärte ihr auch, das sich die deutschen Behörden um sie kümmern würden. Er gab ihr seine Adresse, damit sie sich in Verbindung setzen können, so bald Naomi wußte, wie sie wohnen würde. Er käme aber erst wieder in einigen Monaten nach Hause.
Am nächsten Morgen war sie sehr aufgeregt. Zog ihr Kleid an, das ihr Vater ihr damals gekauft hatte, die Sandalen, aber sie fror erbärmlich.
Corry meinte, sie solle ruhig wieder die alten Matrosensachen anziehen, die seine wärmer.  Hier in Deutschland sei es Frühjahr und das heißt lange nicht so warm wie in ihrer Heimat.
Nein, das wollte Naomi nicht. Ordentlich sollte man sie sehen.
Corry nahm sie mit an Deck, damit sie den Hafen sehen konnte. Da ließ sich Naomi auch eine Decke geben, denn es war sehr windig.

Am Hafen wartete schon die Polizei und Naomi bekam einen Schock. Das hatte sie doch alles schon einmal erlebt und jetzt hier auch? Gerade wollte sie davon laufen, als Corry sie am Arm festhielt.  "Keine Angst, kleine Naomi, es sind Freunde. Sie wollen dir nur helfen, damit du bald wieder in deine Heimat zurück kehren kannst." sagte er beruhigend.
Naomi zitterte vor Angst und versteckte sich hinter ihm. Er nahm sie auf den Arm und brachte sie zum Kapitän. Dieser beauftragte ihn, sie zu begleiten. Was er auch sehr gerne tat. Artig verabschiedete sich Naomi von der Besatzung, als sie angelegt hatten und da kam auch schon zwei Männer in Uniform und eine Frau an Bord.
Es wurde viel geredet, geschrieben und dann hieß es Abschied nehmen von Corry.
Naomi weinte bitterlich, denn er war wie ein Vater für sie geworden, in dieser kurzen Zeit.
Corry umarmte sie und meinte, sie hätte ja seine Adresse. Wenn er in seiner Heimat sei, würde er sofort in den Kasten sehen, wo sie nun wohnen würde und sich ganz bestimmt um das Verbleiben ihres Vaters kümmern.
Naomi schluckte und nahm die Hand der fremden Frau. Sie wurde in einem Polizeiauto zu einem großen Haus gebracht.

                  

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