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Tippi, der Sohn des Häuptlings
Coppy Inga Rothe
 
 
Große Freude herrschte im Indianerdorf, Häuptling große Wolke war Vater geworden.
Alle Indianer tanzten um ein großes Feuer, den Freudentanz.
Endlich durften sie auch den kleinen Tippi sehen, den große Wolke ihnen stolz entgegen hielt. Schaut, das ist mein Stammhalter, er wird euch einmal führen in das Land der Büffel.
Seine Frau, funkelnde Sonne, fühlte sich noch ein wenig müde, aber sie kam dennoch aus ihrem Wigwam.
Dankbar umarmte sie große Wolke, gab ihr seinen Sohn und schickte sie schlafen.
Er feierte den ganzen Tag und auch noch die folgende Nacht.
Dann ließ er sich erschöpft, wie auch alle anderen, auf seinem Lager nieder.
 
Tippi war ein besonderes Kind, das merkte bald jeder. Er machte seinen Eltern nur Freude und lernte schneller als jedes andere Kind.
Als er sechs Jahre alt war, durfte er seinen Vater auf der Jagt begleiten. Mit Pfeil und Bogen konnte er schon umgehen, als er drei Jahre alt war und er traf alles.
Er stellte Fragen, die sein Vater bald nicht mehr beantworten konnte und er wollte immer noch mehr wissen.
Er lernte auch sehr früh Rauchzeichen zu geben und unterhielt damit alle Stämme in der Umgebung.
Eines Tages ritt Tippi hinaus um die Gegend genau zu durchforschen.
Häuptling große Wolke sagte, er solle sich Habichtsauge mitnehmen, damit er nicht allein war.
Habichtsauge war ein alter Mann, er kannte sich zwar gut aus, konnte aber nicht so schnell reiten wie Tippi. Darum blieb er hinter ihm und Tippi ritt so schnell, das Habichtsauge ihn bald nicht mehr erblickte.
An einem Wasserfall machte Tippi halt. Er schaute sich um, aber Habichtsauge war nicht zu sehen, nur zwei Indianer aus dem Nachbarsstamm.
Er war jetzt ziemlich hungrig, hatte aber kein Proviant dabei, das hatte Habichtsauge.
Er nahm seinen Bogen und erbeutete einen Hasen. Wie ein großer Indianer machte er Feuer und bereitete den Hasen zu. Nun wunderte er sich doch, wo Habichtsauge blieb. Es gab aber so viel zu sehen, darum vergas er alles. Die Mahnungen seines Vaters, niemals alleine, soweit vom Dorf wegreiten.
Tippi merkte auch nicht, wie schnell die Zeit verging. Plötzlich war es dunkel und er hatte sich verirrt. Zurückreiten konnte er nun nicht mehr, er musste hier sein Lager aufschlagen und bis zum Morgen warten. Er band das Pferd an einem Baum, nahm die Decke und legte sich schlafen.
 
Gegen Morgen wurde er wach. Da standen lauter weisse Menschen um ihn herum. Er verstand ihre Sprache nicht und fürchtete sich.
Da kam eine weisse Frau auf ihn zu, die aussah, als wäären ihre Haare aus purem Gold. So eine Frau hatte Tippi noch nie gesehen, es konnte sich nur um eine Göttin handeln.
Er stand auf, konnte sich aber nicht bewegen, war ganz in ihrem Bann.
Sie streichelte ihm über den Kopf und lächelte ihn an und sprach dann zu den Männern.
Eh er sich versah, schnappten sie ihn und setzten ihn auf einem Pferdewagen.
Tippi wollte fliehen, aber er hatte keine Chance. Sein Pferd banden sie hinter den Wagen und so schnell es ging fuhren sie mit ihm davon.
 
Wie lange sie unterwegs waren, konnte Tippi auch nicht mehr sagen, es waren viele Stunden.
Sie kamen in einer großen Stadt an. Unterwegs wurden ihm seine Haare abgeschnitten und er bekam solche Kleidung, wie die Weissen hatten. Das alles tat man, damit nicht gleich jeder sehen konnte, das er ein Indianer war.
Zu dieser Zeit gab es noch Kriege zwischen den Völkern.
 
Langsam verlor er seine Scheu, gegenüber der Frau mit dem goldenen Haar. Dennoch wusste er nicht, was passierte. Wie soll er zu seinem Vater und seiner Mutter zurück kehren?
Er schaute sich die Häuser an, solche hatte er noch nie gesehen, aber sie gefielen ihm.
Vor einem großen Haus blieben sie stehen. Die Frau stieg aus und ein Mann nahm ihn aus den Wagen, trug ihn ins Haus.
Man sprach ruhig und freundlich auf ihn ein, er verstand nichts, beruhigte sich aber schnell.
Er überlegte, es könne ja nichts schaden, wenn er die Sprache des weissen Mannes lernen würde, um danach wieder zu seinem Stamm zurück zu kehren. Vielleicht könnte er dadurch etwas dazu beitragen, das Freundschaft herrscht unter den Völkern.
Es dauerte auch nicht lange und Tippi verstand deren Sprache, lernte Lesen und Schreiben.
Dennoch hatte er Heimweh, Sehnsucht nach seinen Eltern.
Er ging hinaus in den Groszen Garten und zündete ein Feuer an.
Vielleicht sah sein Vater die Rauchzeichen, da der Himmel so klar war. Viel Hoffnung hatte er nicht.
Entsetzt kam die Frau mit dem goldenen Haaren aus dem Haus gelaufen, die sich Mrs. Pears nannte und wollte wissen, warum er ein Feuer machte, das sei zu gefährlich.
Tippi erklärte es ihr und sie schaute ihn traurig an.
“Hast du immer noch Sehnsucht nach deinem Dorf?” , fragte sie.
“Oh ja, ich möchte so gerne meine Eltern wieder sehen.”
“Aber du weißt doch, wir fanden dich in der Wildnis, es wäre zu gefährlich gewesen, dich dazulassen.”
“Stimmt, ich hatte mich verirrt, aber sicher hätte ich zu meinem Vater zurück gefunden, wenn ihr mich nicht mitgenommen hättet.”
“Nun, du hattest Glück, das wir dich gefunden haben, stell dir vor, es wären andere gewesen, die hätten dich getötet und wenn nicht die, vielleicht die wilden Tiere. Du bist doch noch so klein, wenn auch sehr gescheit. Du hast in knapp einem Jahr, soviel gelernt und sicher kannst du es in deinem Leben gebrauchen.”
Das sah Tippi ein und er wollte lernen!
 
Er besuchte viele Schulen, durfte aber nicht sagen, das er ein Indianer ist. Diese hatten kein Anrecht auf Schulen. Tippi blutete beinahe das Herz, seine Herkunft verleugnen zu müssen, aber er wollte es schaffen.
Er galt als Findelkind und wurde trotz seines anderen Aussehen bald anerkannt.
Eines Tages fand er ein dickes Buch, das von Gesetzen und Völker handelte.
Das war seine Chance.
Bald konnte er die Gesetze auswendig und nachdem er die Schule beendet hatte, wurde er Anwalt, ein ganz berühmter sogar.
Er setzte sich für die Rechte der Indianer ein, wie sollte es auch anders sein. Allerdings machte er sich auf diese Art auch ein paar Feinde.
Es saß auf seiner großen Terrasse, längst wohnte er alleine in einem neuen Haus, da klopfte es und ein Mann stürmte herein.
Er erzählte ihm, das man einem Indianer ins Gefängnis geworfen hatte, nur weil er Indianer war und sich in einer weissen Frau verliebt hatte.
Tippi nahm sich den Fall an.
Man stellte den Mann vor Gericht und klagte ihn an.
“Was hat dieser Mann getan?”, fragte er, “nur weil er ein Indianer ist, soll er schlecht sein?”
“Wir wollen hier keine Rothaut!” , rief einer aus der Zuschauerreihe.
“Was ist denn so schlecht daran?” , erwiderte Tippi.
Ein Raunen ging durch den Raum.
Tippi verlas nun die Menschenrechte und fragte noch einmal: ”Was ist an diesem Menschen schlechter?”
“Eine Rothaut ist kein Mensch!”, bekam er zur Antwort.
“Ist der Richter ein Mensch?”, fragte er, “bin ich ein Mensch?”
“Ja sicher”, meinte da eine ältere Frau. “Sie haben mir geholfen, als man mir mein Hab und Gut nehmen wollte.”
“Stimmt, auch mir haben sie geholfen, als es mir so schlecht ging. Sie sind ein weiser und guter Mann.”
Nun riefen viele durcheinander und konnten sich nicht zurückhalten, wie gut Tippi doch sei.
“Nun, dann muß ich euch mein Geheimnis anvertrauen. Ich bin kein Mensch, ich bin schlecht, dumm, ein Verbrecher!”
Entsetzt hielten sie inne. Auch der Richter schaute ihn an.
“Warum sind sie kein Mensch?”,  fragte er. “Ich kenne sie nun schon sehr lange und weiss es besser. Sie sind gut und immer hilfsbereit.”
“Nein, wenn sie diesen Mann hier anklagen, eine Rothaut sei kein Mensch, dann bin ich es auch nicht. Ich bin ebenfalls ein Indianer. Und wenn man den Indianern keine Rechte  gibt, eine Schule zu besuchen, dann können sie sich auch nicht weiter bilden. Dennoch sind sie Menschen. Menschen mit gleichen Gefühlen.”
Es war ganz still geworden im Raum. Der Richter schien ganz durcheinander zu sein.
“Ich lege hiermit mein Amt nieder und kehre zu meiner Familie zurück. Mein Werk ist hier beendet.” sagte Tippi und verliess den Raum.
 
Er packte seine Sachen zusammen und ritt zu einem alten Haus.
Da wohnten Leute, die keinen Hass auf andere Völker hatten. Denen schenkte er sein Haus, das er von seiner weissen Ziehmutter, Frau Pears, bekommen hatte.
 
Dann machte er sich auf den Weg, seinen Stamm zu finden. Es waren ja nun schon bald 14 Jahre vergangen.
Viele Stunden war er unterwegs, als er plötzlich ungewöhnliche Geräusche vernahm.
Er hielt an und sah sich um. 
Da fiel im ein, er könne es doch einmal mit Rauchzeichen versuchen, vielleicht wurde er dann gefunden.
Er ritt auf eine höhere Stelle, hatte immer noch das Gefühl, beobachtet zu werden.
Schnell war das Feuer entfacht und er gab Zeichen.
 
Da sah er einen Indianer, der nicht weit von ihm hockte und ganz verstört zu ihm sah.
Tippi hatte die Sprache noch nicht verlernt und gab sich zu erkennen.
Immer noch etwas mißtrauisch kam der Indianer näher.
Er wollte wissen, ob er vor vielen Jahren immer Rauchzeichen gesendet hatte, an alle Stämme der Umgebung und wirklich Tippi hiesse.
 
Nun war die Freude groß. Er stellte sich vor, als dicker Ast und erzählte ihm, seine Eltern wohnten nicht weit von hier, nur einen Sonnenuntergang entfernt.
Zuerst aber sollte er sich in seinem Dorf stärken. Die Assixosindianer nahmen ihn bei sich auf und freuten sich, das er zurückgekehrt war.
Häuptlinge weites Land überreichte ihm Indianergerechte Kleidung. Als Tippi sie anzog, war er überglücklich und dankte den großen Manito für alles.


Glücklich ritt er nun gen Heimat.
Als die Sonne ihre letzten Strahlen verteilte, sah Tippi den Wasserfall und es kam ihm alles sehr bekannt vor.
 
Im Dorf wussten alle schon bescheid, denn die Buschtrommeln und die Rauchzeichen sind schneller als der Wind.
Häuptling große Wolke war überglücklich über die Rückkehr seines Sohnes und funkelnde Sonne weinte vor Glück.
 
Tippi, nun wurde er silberner Mond genannt, setzte sich weiterhin für sein Volk ein.
Er brachte ihnen das Lesen bei und lehrte ihnen was Recht und Unrecht ist.
 
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